Osteuropa

Forschungspräsentationen und Projekte

Topical Science at Austrian Universities
7. Dez. 2007

Fördergeber:
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Präsentation der theoretischen und methodischen Grundlagen von ikus

Institutioneller Rahmen

In Kooperation mit dem Center for Cultural Studies präsentierte das Institut für Kulturpsychologie und qualitative Sozialforschung (IKUS) an der Universität von Sofia „St. Kliment Ohridski“ aktuelle Forschungsschwerpunkte. Unterstützt wurde die Veranstaltung vom Department of History and Theory of Culture der Universität „St. Kliment Ohridski“ und vom Austrian Science and Research Liasion Office Sofia (ASO). Die Veranstaltung diente der Information über Forschungsbereiche des IKUS und dem Aufbau möglicher Kooperationen mit WissenschaftlerInnen aus Bulgarien. Im Anschluss an die einzelnen Vorträge stand ausreichend Zeit für Diskussionen zur Verfügung, in denen das große Interesse des Publikums deutlich wurde. Dieses setzte sich zu einem großen Teil aus Lehrenden und Studierenden des Centers for Cultural Studies (Sofia) zusammen, aber auch interessierte WissenschaftlerInnen anderer Fakultäten und Einrichtungen wie etwa Sozialpsycholginnen aus Mazedonien und VertreterInnen der New Bulgarian University waren anwesend.

Forschungspräsentationen
Die im Rahmen der Cultural Research Presentation vorgestellten Schwerpunkte umfassten kulturpsychologisch orientierte Identitätstheorie, die dokumentarische Methode als eine Methode der rekonstruktiven Sozialwissenschaften und die Bedeutung des Körpers als Gegenstand kulturpsychologischer Forschungsinteressen. Die Vorträge der Institutsmitglieder ergänzten einander sowohl auf inhaltlicher als auch methodisch-methodologischer Ebene. So diskutierten Katharina Hametner und Amrei Jörchel in ihren Präsentationen „Identity and Habitus by the Concept of Cultural Psychology: on the idea of reflexive and habitual parts od identity “ bzw. „Multi-Cultural Identities in Urban Environments: the dialogical self from a socio-cultural perspective“ Thema Identität aus kulturpsychologischer Perspektive. Stefan Hampl stellte sodann in der Präsentation seines Dissertationsprojekts „Film- and Video Interpretation through the Lens of the Documentary Method: Broadcasting German and Turkish Cultures. A Video Interpretation of the German TV Show Istanbul Total“ u.a. die Dokumentarische Methode nach Ralf Bohnsack und ihre methodologischen Grundlagen vor. Anschließend an Stefan Hampls Ausführungen sowie an Katharina Hametners Vortrag zum Konzept des Habitus, arbeitete Julia Riegler schließlich in der Präsentation ihres Dissertationsvorhabens unter dem Titel „Re-constructing Women’s Experiences of Sexual Pain: The knowing body as an object of Cultural Psychology and Documentary Interpretation“ den Körper als Gegenstand kulturpsychologischer Forschung sowie die dokumentarische Methode als Instrument zur Rekonstruktion inkorporierter gesellschaftlicher Strukturen heraus. Die Reaktionen des Publikums auf die Präsentationen waren überwiegend positiv. Insbesondere das Auftreten der Vortragenden im Team wurde wiederholt gelobt.

Ergebnisse der Präsentation

Folgende Kooperationsmöglichkeiten ergaben sich im Anschluss an die Cultural Research Presentation: Zum einen wurde den Vortragenden angeboten, in dem von Dr. Ginev herausgegebenen internationalen Wissenschaftsjournal ‚Divinatio. Studia Culturologica Series’ zu publizieren. So könnten etwa die Präsentationen der Vortragenden bzw. einige weitere Forschungsschwerpunkte des IKUS in diesem Kontext veröffentlicht werden. Zum anderen besteht die Möglichkeit, mit Forschungsgeldern der ASO ein zusammenfassendes Heft zu den Forschungsfeldern und -methoden des IKUS herauszubringen und somit die derzeitigen Aktivitäten des IKUS zu präsentieren. Weiters wurde von bulgarischen WissenschaftlerInnen Interesse an zukünftigen Forschungsprojekten geäußert.

www.visualheritage.eu
Projektleitung
Stefan Hampl

avisierter Projektpartner
Zentrum für Stadtgeschichte Ostmitteleuropas, Lemberg (Ukraine)

Status

in Vorbereitung, Fundraising

Vorläuferprojekte (Auswahl)

  • ikus-Methodenworkshops zur Bild- und Videointerpretation
  • Interpretation von Interviews, Internetseiten und Objekten im Rahmen von Lehraufträgen an der Universität Wien, 2005-2008
  • Produktanalyse von „Smart – ein urbanes Mobilitätskonzept“ für Daimler AG, 2007 (Hampl, Trompisch, Przyborski & Slunecko)
  • Gastvortrag zur Analyse Materieller Kultur, Universität für Angewandte Kunst (Wien), 2006
  • Publikationen (s.u.)

Projektinhalt

Das Projekt nimmt seinen Ausgangspunkt bei gemeinsamen Gesprächen am Zentrum für Stadtgeschichte Ostmitteleuropas 2008 und 2009. Die zentrale Frage dieser Gespräche war, wie das digitale Bild- und Filmarchiv des Zentrums auf möglichst effektive und innovative Weise zum Ausgangspunkt kreativer wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit den Stadtkulturen Ostmitteleuropas werden könnte.

ikus hat für diese Aufgabenstellung ein Konzept entwickelt, das aus einer Serie von (vorerst) vier Workshops besteht, die im Zeitraum von 2010-2012 am Zentrum für Stadtgeschichte Ostmitteleuropas angeboten werden können. Seit mehreren Jahren wird dort an der Digitalisierung alter Bild- und Filmarchive gearbeitet. Zwischenzeitlich konnten so bereits hunderte historische Fotographien, Postkarten, Stadtpläne etc. online frei verfügbar gemacht werden. Mithilfe folgender medienspezifischer Workshops sollen interessierte Teilnehmer/innen sowohl mit dem historischen visuellen Material des Zentrums vertraut gemacht werden, als auch kreativ zu dessen Erweiterung angeleitet werden. Als Abschluss der Workshopserie ist eine Publikation der Ergebnisse vorgesehen.

Projektphasen

  1. Workshop Bilder und Fotographien
  2. Workshop Video und Film
  3. Workshop Internet und neue Medien
  4. Workshop Objekte und Materielle Kultur
  5. Publikation der Ergebnisse

Die Workshops werden zu je 15 Teilnehmer/innen in ukrainischer Sprache abgehalten (ggf. in Übersetzung). Im Vorfeld der Workshops sind bereits zahlreiche deutschsprachige Publikationen erschienen.

Themenspezifischer Literaturauszug

  • Bohnsack, Ralf (2009). Qualitative Film- und Videointerpretation. Opladen und Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich
  • Hampl, Stefan (2010, in Fertigstellung). Die Artikulation des Türkischen in der deutschen Fernsehshow Istanbul Total. Rekonstruktive Videointerpretation nach der dokumentarischen Methode (Arbeitstitel). Dissertation an der Universität Wien.
  • Khimka, Nataliya (2008). Wiener und Lemberger: Der Blick auf das Andere. Eine rekonstruktive Studie auf der Grundlage von Privatfotos. Masterthese. Donau-Universität Krems
  • Przyborski, Aglaja und Wohlrab-Sahr, Monika (2009). Qualitative Sozialforschung: Ein Arbeitsbuch. 2. Aufl. München: Oldenbourg Verlag
  • Slunecko, T. (2008). Von der Konstruktion zur dynamischen Konstitution. 2. überarbeitete und aktualisierte Auflage. Wien: WUV

Performative und gegenständliche Artikulationen gemeinsamer Lebenswelt in Lemberg und Wien

Projektleiterin
Mag.a Nataliya Khimka
Fördergeber: Kulturabteilung der Stadt Wien

Projektbeschreibung:
Was ist österreichisch? Was ist ukrainisch? Woher stammen diese Begriffe und was ist mit Ihnen eigentlich bezeichnet? Sind sie nicht viel zu allgemein um die kulturelle Vielfalt Österreichs und der Ukraine auffangen zu können? Mit Sicherheit. Erwiesenermaßen lässt sich gerade innerhalb der nationalstaatlichen Grenzen beider Länder ein sehr breites Spektrum kultureller und mentalitätsmäßiger Ausprägungen beobachten. Auf den Gebieten vieler Wissenschaften gibt es dazu zahlreiche Einzelbefunde. Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens soll jedoch nicht von a priori geographisch getrennten Ländern ausgegangen werden, sondern Kulturräume in der Form betrachtet werden, wie sie sich entlang von Mentalitätszugehörigkeiten bilden und gebildet haben. Dabei geht es auch um einen sozial- und kulturwissenschaftlichen Lückenschluss. Denn welche Mentalitätsräume sich in einer erweiterten österreichisch-ukrainischen Sphäre erstrecken, ist empirisch so gut wie unerforscht.

Historisch betrachtet, währte die Zeit gemeinsamer österreichisch-ukrainischer Verbundenheit länger als die Episode der nationalen Trennung und Blockzuordnung in Ost und West. Vor weniger als 90 Jahren etwa, waren Lemberg und Wien noch benachbarte Städte im mitteleuropäischen Kontext der österreichisch-ungarischen Monarchie. Aus heutiger Sicht klingt visionär, was damals gang und gäbe war: Zwischen Wien und Lemberg herrschte vielfältiger kultureller und wissenschaftlicher Austausch. Bedeutende Denker, Wissenschafter und Künstler wie der Denkstilforscher Ludwik Fleck, der Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem, der Religionsphilosoph Martin Buber und davor der ukrainische Schriftsteller und Nationalheld Ivan Franko wirkten sowohl hie wie da. Heute, wo die mediale Berichterstattung nationale Unterschiede betont, ist diese historisch gewachsene Verbundenheit – zumindest in den öffentlichen Diskursen – in den Hintergrund getreten. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht mehr wirksam oder gar verschwunden wäre. Im Gegenteil, sie umgibt uns geradezu mit solcher Selbstverständlichkeit, dass wir ihrer nicht gewahr werden. Sie dokumentiert sich aber in den Handlungen, die wir tagtäglichen vollziehen und in die Art und Weise wie gegenständliche und immaterielle Medien in diese Performativität des Alltags eingebunden sind.

An dieser Stelle hier möchte das vorliegende Forschungsprojekt einsetzen. Auf Basis der nahezu 150-jährigen Verbundenheit, die unter der Ägide der Habsburger bestand, sollen davon noch bis heute wirksame Mentalitätsspuren gesichert und gleichzeitig der Prozess der gegenwärtigen Wiederanknüpfung daran dokumentiert werden. Im Zuge dessen geht es außerdem um eine Rekonstruktion des kulturgestaltenden Potentials jener Überlagerungsphänomene, die durch den Abbau von Grenzen im realen und virtuellen Raum nach 1989 entstehen konnten.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Wie deutlich erkennbar, stehen in dieser Untersuchung nationenübergreifende, kulturraumbezogene Gemeinsamkeiten im Vordergrund. Diese Perspektive ergibt sich aus den Erkenntnissen der Wiener Kulturpsychologie (Slunecko 2002, Ruck 2006) und der qualitativen Sozialforschung sensu Mannheim (1980) und Bohnsack (2003). Die hier eingenommene kulturpsychologische Perspektive profiliert sich damit gegenüber Untersuchungen von Kulturunterschieden, bei welchen a priori Antwortformate festgelegt werden, die einen „kulturneutralen“ Vergleich zweier oder mehrere Kulturräume ermöglichen sollen. Slunecko (2002) fordert intensivere Diskussion und Reflexion über den verstecken Kulturuniversalismus, der Untersuchungen von Kulturunterschieden potentiell innewohnt:

„[P]sychologische Dimensionen existieren nicht in einem kulturellen Niemandsland, sie sind nicht nur vor Kultur da und werden in Kulturen nur unterschiedlich ausgeprägt, sondern sie sind von ihrer kulturellen Einbettung nicht ablösbar. Wir lernen daher in der Regel recht wenig über Kultur, wenn wir uns […] in hypothesentestender Absicht auf Kulturunterschiede konzentrieren und dabei die eigenen Methoden und Messverfahren, die eigene Methodologie und auch den kulturellen Entstehungskontext der Forschungsfrage aus unseren Überlegungen ausklammern“ (Slunecko 2002, 175).

Für die Erforschung österreichisch-ukrainischer Mentalität ergibt sich damit die Notwendigkeit einer spezifischen empirischen Vorgangsweise, welche folgenden Kriterien gerecht werden sollte: 1) Die hervortretende, grenzüberschreitende Artikulation einer legierten Mentalitätssphäre entlang ihrer eigenen Relevanzen aufzufangen, 2) eine behutsame Übertragung dieser Gestalten in die Beobachtungssprache der Forscher/innen zu ermöglichen und 3) dem/der Forschenden methodische Werkzeuge zur systematischen Berücksichtigung der eigenen Kulturverbundenheit zur Verfügung zu stellen..

Die Dokumentarische Methode
Die Forschungsmethode der „Dokumentarischen Methode“ begegnet den soeben geforderten Kriterien mit dem Prinzip des methodisch kontrollierten Fremdverstehens (Bohnsack 2003) und erscheint damit für das hier dargestellte Forschungsvorhaben besonders geeignet. Sie ist aus der Kulturforschungspraxis heraus entwickelt und vermag vor allem den Entstehungszusammenhang soziokultureller Hervorbringungen in den Blick zu nehmen (vgl. Przyborski, 2004). Ziel der Methode ist die Herausarbeitung von konjunktiven Erfahrungsräumen (Mannheim 1980) und die Rekonstruktion des so genannten Dokumentsinns von Kulturobjektivationen.

„Das Konzept des konjunktiven Erfahrungsraums fasst … eine von der konkreten Gruppe gelöste Kollektivität grundlagentheoretisch. Es verbindet diejenigen, die an Wissens- und Bedeutungsstrukturen teilhaben, welche in einem bestimmten Erfahrungsraum gegeben sind. Zugleich ist diese Kollektivität, wie wir gesehen haben, keine dem Einzelnen externe, ihn zwingende oder einschränkende, sondern eine, die Interaktion und alltägliche Praxis ermöglicht, die gemeinsame Handlungsvollzüge ohne Umweg über den Subjektbegriff beschreibbar macht“ (Przyborski 2004, 29).

Bei der Explizierung des Dokumentsinns sind „[d]as ‚Wie’ der Darstellung verschiedener Themen, die formale Struktur der Performanz, … Wegweiser und Grundlage für die kollektiven Sinnstrukturen“ (Przyborski 2004, 18). Um den „schöpferischen Prozess nachzuzeichnen“ (Bohnsack, 2003) zielt das Verfahren der Dokumentarischen Methode in seiner Vorgangsweise dabei auf eine möglichst strukturidentische Rekonstruktion des Dokumentsinns in seinen eigenen Begriffen ab (vgl. Bohnsack, 2003).

Feldzugänge und Instrumente der empirischen Erhebung
Nachdem die Untersuchung österreichisch-ukrainischer Mentalität nun grundlagentheoretisch und methodisch umrissen ist, soll nun exemplarisch auf konkrete Feldzugänge eingegangen werden. Aus logistischen und ökonomischen Gründen werden die Untersuchungsorte in einer ersten Phase auf die urbanen Räume von Wien und Lemberg beschränkt sein. In beiden Städten bestehen Kontakte zu universitären und privaten Institutionen, die bereit sind das vorliegende Forschungsprojekt thematisch zu unterstützen und weiterführende Untersuchungsmöglichkeiten zu bieten.

Auf diese Weise kann etwa an der Universität Wien (Univ.-Lekt. MMag. Stefan Hampl) Kontakt zu österreichischen Studierenden hergestellt werden, die letztes Jahr an einem Studentenaustausch mit Lemberger Studierenden teilgenommen haben. Eine analoge Gruppe von ukrainischen Studierenden existiert an Lemberger Universitäten. Mit Studierenden beiderlei Herkunft ließen sich Gruppendiskussionen durchführen und miteinander grenzüberschreitend in Bezug setzen. Nach elektromagnetischer Aufzeichnung und Transkription, ginge es im rekonstruktiven Prozess der dokumentarischen Methode dann um die Auffindung homologer Mentalitätsstrukturen, die sich anhand der Gruppendiskussionen gezeigt haben. Nohl (2001) äußert sich zum Gruppendiskussionsverfahren folgendermaßen:

„Wenn Menschen, die einander gut kennen und auf gemeinsame oder gleichartige Erfahrungen zurückblicken können, in der Gruppe miteinander reden, steigern sie sich oft gegenseitig in der Bearbeitung des jeweiligen Themas. Der Diskurs wird meta¬phorisch und die Elemente impliziten Wissens nehmen zu. […]“ (Nohl, 2001: 50).

Mit implizitem Wissen sind hier insbesondere die Erfahrungsgehalte bezeichnet, die von der Gruppe wechselseitig enaktiert werden und in denen sich kollektive Wissensbestände und ein kollektiver Habitus dokumentiert. Bei der Untersuchung österreichischer und ukrainischer Studierender ging es somit um eine komparative Analyse der verbindenden Mentalitäts- und Orientierungsmerkmale, die sich anhand der Gruppendiskussionen gezeigt haben.

Im Sinne einer Methodentriangulierung, die der empirischen Validierung tiefer verwurzelter, generativer Mentalitätsstrukturen dient, wird das Verfahren der Gruppendiskussion in diesem Forschungsprojekt durch Teilnehmende Beobachtung, Einzel¬interviews und Analysen der materiellen Kultur komplementiert.

In dieser Hinsicht erscheint der Kontakt zu privaten Kulturinstitutionen viel versprechend, die im Rahmen von grenzüberschreitenden Konzerten oder Ausstellungen einen performativen Zugang zum gemeinsamen Zusammenwirken von Künstlern und Publikum verschiedener Herkunft bieten können. In Lemberg gibt es mehrere derartige Initiativen, wie etwa Dzyga, Ljalka oder Picasso. In Wien konnte bisher Kontakt zum Wiener Ost-Klub hergestellt werden, wo in regelmäßigen Abständen ukrainische Konzerte und monatlich sogar ein „Klub Ukrajina“ stattfindet. Im polyphonen und polyoriginären Setting dieser Aufführungen werden an den genannten Orten Kulturen und Mentalitäten wechselseitig aktualisiert und neu verhandelt. Sie stellen damit eine wertvolle Quelle für die Dokumentation grenzüberschreitender, gemeinsamer Erfahrungen dar.

Zu diesen Anlässen können sowohl Einzelinterviews, Gruppendiskussionen als auch teilnehmende Beobachtungen durchgeführt werden. Letztere eignen sich gerade für die soeben beschriebenen Aufführungssituationen als besonders vorteilhaft, da relevante Kontextinformationen nur durch die persönliche Teilnahme erfahren und die Anwendung audiovisueller Aufzeichnung situativ begrenzt ist.

„Sie [Die teilnehmende Beobachtung] erfasst damit einen weitaus größeren Zeitraum als jene Erhebungsverfahren, deren Durchführung … vereinbart, terminlich verabredet und elektromagnetisch aufgezeichnet werden muss. Den Beobachter(inne)n gerät dadurch eine größere Bandbreite des … Handelns in den Blick. Gerade zufällige, zunächst beiläufig gemachte Beobachtungen von alltäglicher Handlungspraxis, die in den Gruppendiskussionen … keiner Erwähnung wert zu sein scheint, können wichtige Hinweise … liefern und Nachfragen anregen“ (Nohl, 2001a: 51).

Die teilnehmende Beobachtung stellt gleichzeitig auch das Bindeglied zur Untersuchung Materieller Kultur dar, die im vorliegenden Forschungsprojekt als generierte und generierende Variable österreichisch-ukrainischer Kultur und Mentalität betrachtet wird. Materielle Kultur hat mediale Qualität. Sie manifestiert sich an Orten, in Gebäuden, Denkmälern, Bildern, Fotos, Filmen, Kunst- und Designgegenständen, in sämtlichen Dingen des alltäglichen Gebrauchs. Da Materielle Kultur untrennbar mit menschlichem Handeln in Verbindung steht, schließt eine Analyse von Kulturräumen immer auch eine Analyse ihrer Medien mit ein:

„Die Weltdinge haben die Aufgabe, menschliches Leben zu stabilisieren, und ihre ‚Objektivität’ liegt darin, daß sie der Veränderung des natürlichen Lebens … eine menschliche Selbigkeit darbieten, eine Identität, die sich daraus herleitet, daß der gleiche Stuhl und der gleiche Tisch den jeden Tag veränderten Menschen mit gleichbleibender Vertrautheit entgegenstehen“ (Arendt [1958] 1981, 162 in Hahn 2005, 37).

In Verbindung mit diesem Zitat ist der kulturpsychologische Befund Sluneckos (2002) zu betrachten, dass Menschen ohne ihre Dinge in der Welt nicht vorkommen. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts soll deshalb auch besonderes Augenmerk auf die dingliche Welt und ihre Wechselwirkungen mit der österreichisch-ukranischen Kultur- und Mentalitätsgeschichte geworfen werden. Inhaltliche und methodische Bezüge gibt es hier in Lemberg und Wien derzeit zu den Forschungsinitiativen des Centre for Humanities an der Ivan Franko Nationaluniversität, sowie der Wiener Kulturpsychologie und der Abteilung für Theorie und Geschichte des Design an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

Zusammenfassung

Das Ziel des hier vorgestellten Forschungsvorhabens kann folgendermaßen gefasst werden: Es geht um die empirische Untersuchung der generativen Strukturen von österreichisch-ukrainischer Mentalität, die sich in den Handlungen der Menschen und ihrer materiellen und immateriellen Lebenswelt dokumentieren und daraus rekonstruieren lassen.

Zu diesem Zwecke sollen durch teilnehmende Beobachtung in Wien und Lemberg Orte aufgespürt werden, wo sich diese gemeinsame Lebenswelt prägnant in den Selbstverständlichkeiten menschlicher Handlungen und der damit in Verbindung stehenden dinglichen Welt artikuliert. Betrachtung sollen darüber hinaus die Prozesse verdienen, wo österreichisch-ukrainische Mentalität und Kultur in einem aktuellen Neu¬verhandlungsverhältnis stehen. Dabei werden – insbesondere für eine gegenwartsbezogene Lagebestimmung – relevante Ergebnisse erwartet.

Das hier vorgestellte Projekt kann nicht nur bemerkenswerte Erkenntnisse für den wissenschaftlichen Bereich zutage bringen, sondern letztlich auch bedeutsame Informationen für politische und ökonomische Entscheidungsträger liefern. In einem europäischen Kontext betrachtet, stellt sich letztlich die Frage nach der sozialen Synthesis jenseits nationalstaatlicher Grenzen. Wie sähe die europäische Landkarte aus, wenn man sie nicht nach Blöcken oder Nationen, sondern nach Mentalitätszugehörigkeit zeichnen würde? Um dies herauszufinden ist eine empirisch und methodisch saubere Rekonstruktion grenzüberschreitender Mentalitätssphären nötig. Für den österreichisch-ukrainischen Raum – wie auch immer dieser nun in concreto geartet sein möge – soll dies im vorliegenden Falle unternommen werden.

Vorbereitungsliteratur zum Downloaden

  1. Zeittafel Galizien
  2. Zeittafel Lemberg
  3. Jurko Prohasko – Es gibt niemand mehr, dem diese Stadt gehört


Literaturverzeichnis

Bohnsack, R. (2003). Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden (5. Aufl.). Opladen: UTB Verlag
Bohnsack, R., Loos, P., Schäffer, B., Städtler, K., Bodo, W. (1995). Die Suche nach Gemeinsamkeit und die Gewalt in der Gruppe. Hooligans, Musikgruppen und andere Jugendcliquen. Opladen: Leske + Budrich
Bohnsack, R., Przyborski, A. & Schäffer, B. (2006). Das Gruppendiskussionsverfahren in der Forschungspraxis. Opladen: Budrich Verlag
Burke, P. (2005). Was ist Kulturgeschichte? Frankfurt am Main: Suhrkamp
Busek, E. (2003). Offenes Tor nach Osten. Europas große Chance. Wien: Molden Verlag
Ehalt, H. Ch. (1985). Zwischen Natur und Kultur. Zur Kritik biologischer Ansätze. Wien/Köln/Graz: Herrmann Böhlaus Nachfolger
Fischer-Lichte, E. (2004). Ästhetik des Performativen. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag
Großklaus, Götz (2004). Medien-Bilder. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag
Hahn, H. P. (2005). Materielle Kultur. Eine Einführung. Berlin: Dietrich Reimer Verlag
Hörisch, J. (2004). Eine Geschichte der Medien. Von der Oblate zum Internet. Frankfurt am Main: Suhrkamp
Latour, B. (2000). Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag
Latour, B. (2001). Das Parlament der Dinge. Für eine politische Ökologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp
Loos, P. & Schäffer, B. (2006). Das Gruppendiskussionsverfahren − Theoretische Grundlagen und empirische Anwendung. (Reihe: Qualitative Sozialforschung. Bd. 5). Opladen: Budrich Verlag
Mannheim, K. (1980). Strukturen des Denkens. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag (Original 1922-1925, unveröffentlichte Manuskripte)
Mitterauer, M. (2004). Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs. München: Verlag C.H. Beck
McLuhan, M. (1964). Understanding Media. The extensions of man. Corte Madera: Gingko Press
Nohl, A.-M. (2001). Migration und Differenzerfahrung. Junge Einheimische und Migranten im rekonstruktiven Milieuvergleich. Opladen: Leske & Budrich
Nohl, A-M. (2006). Interview und dokumentarische Methode (Reihe Qualitative Sozialforschung). Wiesbaden: VS Verlag
Przyborski, A. (2004). Gesprächsanalyse und dokumentarische Methode. Qualitative Auswertung von Gesprächen, Gruppendiskussionen und anderen Diskursen. Wiesbaden: VS Verlag
Ruck, N. (2006). Die verschiedenen Kulturpsychologien. Der Hauptstrom der Psychologie und die Suche nach Universalien in der transkulturellen Psychologie. Zugriff am 9.11.2006 unter:
http://doingculture.com/index.php?option=com_content&task=view&id=26&Itemid=69
Schlögel, K. (2002). Die Mitte liegt ostwärts. Europa im Übergang. München/Wien: Carl Hanser Verlag
Schlögel, K. (2003). Im Raume lesen wir die Zeit. Über Zivilisationsgeschichte und Geopolitik. Frankfurt am Main: Fischer Verlag
Slunecko, T. (2002). Von der Konstruktion zur dynamischen Konstitution. Beobachtungen auf der eigenen Spur. Wien: WUV Universitätsverlag
Slunecko, T. & Hengl, S. (2006). Culture and media. A dynamic constitution. Culture & Psychology, 12(1), 69-85
Woldan, A. & Wartner, K. (2004). Zweiter Anlauf. Ukrainische Literatur heute. Passau: Verlag Karl Stutz
Woldan, A. (2006). Begegnungen mit dem Fremden – Die literarische Integration der Huzulen nach Mitteleuropa. In: Serta Musarum. Essays in Honor of István Fried. Ed. by Thomas Bremer and Katalin Kürtösi. Szeged, 59-74.

www.europcity.eu
Projektleitung
Nataliya Hampl

Status
in Vorbereitung, Fundraising


Projektziel

Förderung des Zusammenwachsens Europas durch Beteiligung seiner Menschen:
Schaffung neuer, produktiver Begegnungen in anderen Städten.

Zur Erreichung des Projektziels bedarf es der Aktivierung und wissenschaftlichen Erforschung der kommunikativen Handlungsressourcen der Menschen europäischer Städte (insbesondere in den Bereichen Bildung, Geschäftsleben und Kultur).

Erwartete Projektergebnisse
Als Ergebnisse des Projekts „Europcity“ werden Kooperations- und Kommunikationsstrukturen herausgearbeitet, die durch gemeinsame europäischer Erfahrungen der Teilnehmer/innen im Projektverlauf gebildet werden.

Etappen

  1. Schaffung eines Experimentierfeldes für reale Erfahrungen der transregionalen Zusammenarbeit. Die Projektteilnehmer/innen werden vor eine kreative Aufgabe gestellt: In anderen Städten sollen sie sich auf die Suche nach der eigenen Stadt bzw. der eigenen Identität begeben. Durch dieses Vorgehen sollen existierende Stereotypen reflektier- und überwindbar gemacht werden.
  2. Durch die persönliche Erfahrung der Zusammenarbeit werden die beteiligten Teilnehmer/innen zur Entwicklung ihrer Fähigkeiten als „Botschafter/innen bzw. Repräsentant/innen europäischer Kompetenzen“ angeleitet. Zusammen erarbeiteten sie (Kultur-)Produkte, in denen sich die Gemeinsamkeiten und Kontraste der Städte deutlich werden sollen.
  3. Die durch das Projekt geschaffenen Kulturprodukte werden ihrerseits zum Untersuchungsgegenstand erhoben und mittels der Dokumentarischen Methode wissenschaftlich rekonstruiert. Dabei werden funktionale Mechanismen des Dialogs sowie Kooperationsstrukturen herausgearbeitet.
  4. Die Ergebnisse des Projekts werden publiziert und sowohl in wissenschaftliche als auch populäre (Medien-)Diskurse eingebracht.
  5. Die Erkenntnisse des Projekts werden eine substantielle Forschungsgrundlage für weiterführende Maßnahmen darstellen. Die Ergebnisse sind modular erweiterbar, um das Zusammenwachsen Europas zu fördern.


avisierte Projektpartner
Donezk (Ukraine)


avisierte Projektpartner
Lemberg (Ukraine)

avisierte Projektpartner Wien (Österreich)

Vorläuferprojekte

  • LembergWien2008 – Erleben, Dokumentieren, Reflektieren
  • Khimka, Nataliya (2008). Wiener und Lemberger: Der Blick auf das Andere. Eine rekonstruktive Studie auf der Grundlage von Privatfotos. Masterthese. Donau-Universität Krems

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Teil 1: 1. – 7. April 2008 „Ukrainische Spurensuche in Wien“
Elf Lemberger Studierende der Studienrichtung „Internationalen Beziehungen“ werden während Ihres Wienaufenthalts ihr fachliches Wissen erweitern, ihr Deutsch als zweite Fremdsprache vervollständigen sowie ein anderes Kulturumfeld kennenlernen. Dabei werden sie ein dichtes Lehr- und Kulturprogramm absolvieren (Besuch von universitären Lehrveranstaltungen, Vorträge, themenbezogene Führungen, Kreativaufgaben, etc.).

Eine Stadtführung wird den ukrainischen Studierenden Wien in seiner kulturhistorischen Bedeutung näher bringen. Im vergangenen Semester habe sie sich im Deutschunterricht mit Kunststilen, berühmten Künstlern und der Analyse ihrer Bilder befasst. Ihr Besuch des Kunsthistorisches Museum und der Albertina wird der Vertiefung dieses Materials dienen.

Ukrainische Berühmtheiten in Wien
Weiters steht der bei „der Spurensuche von Ukrainern in Wien“ der Besuch der Wiener Universitätsbibliothek für Slawistik auf dem Programm. In deren Safe befindet sich eine noch erhaltene Kopie der Dissertationsarbeit des Nationalhelden Ivan Franko, der diese noch zu k&k-Zeiten hier geschaffen hat. Als Orientierungsaufgabe soll das Wiener Wohnhaus der ukrainischen Schriftstellerin Lesja Ukrainka gesucht werden, wo heute eine Gedenktafel an sie erinnert. Weiters steht die Entdeckung der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche auf dem Programm, die Maria Theresia im Jahre 1775 den Ukrainer geschenkt hat. Mit ihr wurde ein Grundstein für die Entwicklung einer späteren ukrainischen Elite gelegt, die eine sehr wichtige Rolle für die nationale gesellschaftlich-politische Entwicklung der Ukraine hatte. Diese Politiker vertraten die Interessen ihres Volkes im österreichischen Parlament (dem damaligen Reichsrat). Aus diesem Grunde werden die Studierenden auch dort an einer thematisch abgestimmten Führung unter der Leitung von Herrn Dr. Schefbeck teilnehmen.

Stadt-Bilder selbstgemacht
Während ihres Aufenthalts werden die Studierenden für sie markante Aspekte der Stadt Wien fotografisch festhalten. In Fotographien dokumentieren sich kulturelle Relationen besonders gut. In der Lehrveranstaltung Anwendungsgebiete Kulturpsychologie von Stefan Hampl werden die Studierenden methodische Einblicke in die dokumentarische Bildinterpretation erhalten, sowie ihren österreichischen KollegInnen mitgebrachte Fotos aus ihrer Heimatstadt Lemberg präsentieren.

„Geheime“ Einblicke
Bei einem Besuch des Sprachinstitutes der österreichischen Landesverteidigungsakademie wird den ukrainischen Studierenden Zugang zum Militärbereich ermöglicht, wo eine tiefgehende Befassung mit der Ukraine (in Hinblick auf grenzüberschreitende militärische Kooperation) stattfindet.

Wiener Community-TV
Der partizipative Community-Sender Okto-TV eröffnet in einer Führung sein Know-How und Non-Profit-Konzept um einen besonderen Blick auf Entfaltungsmöglichkeiten im westeuropäischen Wirtschaftssystem zu gewähren.

Kultur physisch erfahren
Kulinarische Interkulturalität wird die ukrainischen Gäste in Wien fast auf jedem Schritt begleiten. Außer österreichischer werden sie auch indische, afroasiatische und italienische Küche kosten und zum Abschluss beim Semester-Kick-Off am 4. April (link) im Wiener Ost-Klub noch gemeinsam mit österreichischen Studierenden einen coolen Sound erleben!

Teil 2: 17. –21. April 2008 „Studienreise ins Land unserer Stereotypen“

Nach einer ukrainischen Standortbestimmung in Wien (1.-7. April) wird eine Gruppe von ca. 12 österreichischen Studierenden des Lehrgangs „Interkulturelle Kompetenzen“ der Donau-Universität Krems nach Lemberg fahren.

Im 2. Teil des Projektes „LembergWien 2008 – Erleben, Dokumentieren, Reflektieren“ erfährt die Untersuchung von privatem Fotomaterial der Gruppe eine Fortsetzung. Analog zum 1. Teil, werden die österreichischen Studierenden aufgefordert, die Dinge die ihnen in Lemberg auffallen fotographisch zu dokumentieren. Ziel ist die Produktion von empirischem Vergleichsmaterials zur Untersuchung der generativen Strukturen österreichisch-ukrainischer Mentalität im Hier und Jetzt. Seitens ikus wird die Methode der „dokumentarische Bildinterprätation“ für die Gruppen aus Teil 1 und Teil 2 sowie weitere interessierte ukrainische Studierende und Wissenschafter vor Ort illustriert.

Die österreichischen Studierenden geraten in ein für sie neues Kulturumfeld, das einerseits mit vielen Stereotypen belegt ist, andererseits aber auch zur Spurensuche einlädt. Ein tieferes Eintauchen in die Geschichte der Stadt soll den Studierenden durch die themenbezogene Stadtführung „Das österreichische Lemberg“ (Leiter: Yurko Prohasko) ermöglicht werden. Beim Besuch der Stadtregierung werden sie einen Vortrag über die Integration der Ukraine in die EU (politische und soziale Aspekte) aus ukrainischer Sicht hören. Weiters sind verschiedene Treffen mit ukrainischen Bildungsvertretern vorgesehen.
Zur Intensivierung des kulturellen Austausches wird ein enger Kontakt der österreichischen mit den ukrainischen Studierenden angestrebt. Dieser soll nicht zuletzt auch auf kulinarischem und musikalischem Wege realisiert werden.
Zusammenfassend ist das Projekt „LembergWien 2008 – Erleben, Dokumentieren, Reflektieren“ des Instituts für Kulturpsychologie und qualitative Sozialforschung (ikus) als substantieller Beitrag zur grenzüberschreitenden Involvierung junger Studierender und zum wissenschaftlichen Know-How-Transfer zwischen Österreich und der Ukraine anzusehen. Die Ergebnisse des Projekts stellen die Grundlage für das nachfolgende Projekt „Europcity – Das Eigene in der anderen Stadt“ dar.

Publikationen

  • Khimka, Nataliya (2008). Wiener und Lemberger: Der Blick auf das Andere. Eine rekonstruktive Studie auf der Grundlage von Privatfotos. Masterthese. Donau-Universität Krems

Kontaktperson: Nataliya Khimka
Quelle: https://vereinikus.wordpress.com/

Internationale Konferenz der Ivan Franko Nationaluniversität Lemberg
11.-13. Juni 2007

Teilnahme von DissertantInnen und Studierenden der Fakultät für Psychologie der Universität Wien

Initiative und Durchführung: ikus
Fördergeber: Fortis Life Insurances
Vorgeschichte
Maßgeblich für die Realisierung der Konferenzteilnahme waren zwei erfolgreiche österreichisch-ukrainische Austauschprogramme, die im Wintersemester 2005/06 und Sommersemester 2006 – ergänzend zum Proseminar für Allgemeine Psychologie von Stefan Hampl – durchgeführt wurden. Damals nahmen etwa 100 Studierende und Akademiker der Universitäten Wien und Lemberg daran teil. Ein wichtiger Effekt dieser Programme war der Aufbau stabiler Vertrauensbeziehungen zu leitenden Vertretern der Ivan Franko Nationaluniversität Lemberg. Auf Basis dieser Kontakte konnten die besten Studierenden des Proseminars für Allgemeine Psychologie (WS06/07) sowie 3 DissertantInnen der Fakultät für Psychologie der Universität Wien an der Konferenz teilnehmen.
Die Konferenz
Die Konferenz wurde vom Centre for Humanities der Ivan Fanko Nationaluniversität in Kooperation mit dem Open Society Institute veranstaltet. Vom 11.-13. Juni 2007 versammelten sich zirka 100 Teilnehmer aus den USA, Kanada, England, Polen, Russland, Weißrussland, der Ukraine und Österreich (unsere Delegation). Im Rahmen der Konferenz wurde großes Interesse an den österreichischen Beiträgen, insbesondere unseren Unterrichts- und Forschungsmethoden, bekundet. Grund dafür war die hohe Qualität der Vorträge der österreichischen Studierenden. Sie verblüfften die internationale Teilnehmerschaft durch ihr forscherisches Engagement, die hohe Reflektiertheit der Seminararbeiten und ihr vorbildliches Bestehen in den Diskussionen. Beeindruckenderweise wurden sie von den Zuhörern sogar für DiplomandInnen gehalten wurden, obwohl sie sich noch im ersten Studienabschnitt befanden.

Zum Abschluss der Konferenz wurden die Vertreter aller Delegationen zu einer Round Table Diskussion im Rathaus von Lemberg eingeladen, die im Beisein des Bildungsstadtrats und verschiedener Medienvertreter stattfand. Dabei wurde die mehrjährige Aufbauarbeit von wissenschaftlichen Kontakten zwischen Wien und Lemberg hervorgehoben (s.o. Austauschprogramme) und die Durchführung zukünftiger Kooperationsprojekte ausdrücklich erwünscht.

Die Vorträge der österreichischen Delegation im Detail: „Die Stadt als kulturpsychologisches Laboratorium“

1) Innovative Teaching:
MMag. Stefan Hampl: Researching City Cultures – Empowering Students and Teachers

2) Student Projects:

  • Cultures in Viennese Schools – A Comparative Analysis of 3 Viennese Schools
  • Musicians in Vienna – Music in our World. A psychological media analysis
  • Prostitution in Vienna. The World’s Oldest City Service or: The Story of Women Like You & Me. An Empirical Study

Teilnehmende Studierende der Fakultät für Psychologie, Universität Wien: Felicitas Auer, Thomas Berndl, Katja Huber, Maria Kattavenos, Hanna Leuchs, Daniel Miklody, Daniela Pertl, Marie-Christin Rissinger, Birgit Stabler, Elisabeth Übelmann, Daniel Weigl

3) Dissertation Projects:

  • Mag.a Katharina Hametner: Identity and Habit – On the idea of reflexive and ha-bitual parts of identity
  • MSc Amrei Jörchel: Multicultural Identities in Urban Environments – A reflection on dialogical self theory with the example of a London study
  • MMag. Stefan Hampl: The Turkish City in German Entertainment TV – a reconstruc-tive video analysis

Ergebnisse der Konferenz:
Durch den geschlossenen Auftritt unserer Delegation konnte bei den internationalen Konferenzteilnehmern ein starker Eindruck der Forschungs- und Unterrichtsleistung der Wiener Kulturpsychologie und qualitativen Sozialforschung hinterlassen werden. Unsere Studierenden profitierten intensiv von der Möglichkeit ihre Seminararbeiten einem ausländischen Publikum zu präsentieren. Ihrerseits haben sie die Gelegenheit zum Networking genutzt und suchten beständig das persönliche Gespräch mit ausländischen Wissenschaftern. Eine Studierende der Wiener Fakultät bewarb sich sogar um ein psychologisches Sechs-Wochen-Praktikum in Lemberg. Insgesamt ist die Teilnahme der Delegation unserer Fakultät an der internationalen Konferenz in Lemberg als voller Erfolg anzusehen. Durch die Initiative des ikus und die engagierte Partizipation der Beteiligten konnte die bestehende Basis für zukünftige österreichisch-ukrainische Projekte weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus konnte bei den Vertretern nordamerikanischer und osteuropäischer Universitäten großes Interesse für den Bereich der Kulturpsychologie und qualitativen Sozialforschung geweckt werden. Für das ikus und die Fakultät für Psychologie der Universität Wien wurden nachhaltige Marketingakzente gesetzt. Schließlich wurde mit diesem Projekt (als Ergänzung zum Proseminar Allgemeine Psychologie) erfolgreich bewiesen, welche lebendige Wissenschaftskultur auch in konventionellen Unistrukturen möglich ist.

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